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Toursprung – wieder eine Firma verkauft

Eines Tages schreibe ich ein Buch darüber, wie ich die Ideen für fast alle meine Firmen gefunden habe. Im Wesentlichen hat das nämlich immer nach dem gleichen Schema funktioniert.

Es gab ein Projekt oder eine Firma, und in diesem Zusammenhang musste ich eine Aufgabe lösen. Meistens war die Aufgabe irgendein Ablauf, der notwendig war, um das eigentliche Produkt der Firma zu erstellen, zu bewerben oder zu vertreiben.

Also zum Beispiel eine Dienstleistung, die wir intern für uns selbst erbringen mussten.

Das kann so etwas einfaches sein, wie Briefmarken auf Umschläge zu kleben.

Gäbe es diese Aufgabe in meiner Firma, müsste also jeden Tag ein Mitarbeiter ein paar Stunden lang Briefmarken auf Umschläge kleben, so würde ich mir Gedanken darüber machen, wie ich diese Kostenstelle in ein Profit-Center umgestalten könnte.

Oder anders gesagt: ich würde die Kostenstelle des Briefmarken-Aufklebens so lange von allen Seiten betrachten, bis ich dabei die Frankiermaschine erfunden hätte. Dann würde ich sie bauen, später verkaufen, und schon hätte ich eine Firma für Frankiermaschinen gegründet.

Statt für das Frankieren Löhne meiner Mitarbeiter zu bezahlen, würde ich nun also mit dem Verkauf der Frankiermaschinen Geld verdienen. Und meine eigene Frankiermaschine hätte ich obendrein gratis.

Die wirtschaftliche Tätigkeit ist also irgendwie dieselbe geblieben (bzw. genauer genommen ist sie auf eine neue Ebene gehoben worden), aber die Richtung des Geldflusses hat sich umgekehrt.

Zuvor floss das Geld von mir weg, und danach floss das Geld zu mir hin.

So oder so ähnlich habe ich mindestens ein Dutzend Mal eine Firma gegründet – oder wenigstens ein profitables neues Projekt begonnen.

Und in den Jahren 2007 und 2008 ist es mir nicht anders gegangen.

Im Jahr 2007 nämlich hatte ich überlegt, wie ich es mir ersparen kann, entlang von Radwegen für meine Fahrradreisen Werbung zu machen. Also andere Leute dafür zu bezahlen, dass ich dort meine potentiellen Kunden treffe.

Meine Tätigkeit war also das Werben, und es kostete mich Geld.

Dann stellte ich das Werben einfach auf eine höhere Ebene. Aus dem Werben wurde Werbung.

Oder anders gesagt: ich erfand die Webseite von Bikemap.

Heute ist Bikemap Europas größtes Radroutenportal. Und statt anderen dafür Geld zu bezahlen, dass sie mir Zugang zu meiner Zielgruppe ermöglichen, gehört mit heute diese Webseite, und ich verlange Geld dafür, dass ich anderen Zugang zu ihrer Zielgruppe verschaffe. Mein eigener Zugang zu meiner Zielgruppe ist für mich damit also nicht nur gratis geworden, sondern ich verdiene damit auch noch Geld.

Aus der ehemaligen Kostenstelle wurde also ein Profit-Center.

So entstand 2007 Bikemap.

Und mit Bikemap kamen neue Herausforderungen ins Haus. Also neue Kostenstellen.

Eine davon war, dass es im Jahr 2008 auf dem Markt keine wirklich gute und leistbare Lösung gab, wie man viele Hunderttausend Routen auf einer Karte im Browser abbilden kann, ohne dass dieser dabei abstürzt.

Das, und viele weitere kleine Herausforderungen, motivierten mich und mein Team, die Probleme der Online-Kartografie für uns selbst zu lösen.

Und es dauerte nicht lange, da tropften die ersten Anfragen ein von Betreibern anderer Webseiten mit touristischen Landkarten, ob wir ihnen nicht dabei helfen wollten, ihre ganz ähnlichen Probleme zu lösen.

Doch ich hatte und habe kein Interesse daran eine Firma zu besitzen, die als Agentur die Stunden ihrer Mitarbeiter verkauft.

Warum das?

Weil ich skalierbare Geschäftsmodelle spannender finde. Denn eine Stunde kann man immer nur einmal verkaufen. Ein Produkt aber (vor allem, wenn es digital ist) beliebig oft.

Darum lehnte ich diese Anfragen auch alle ab.

Bis eines Tages nicht nur ein kleiner, sondern ein großer Fisch an unsere Tür klopfte. Ein nationaler Tourismusverband hatte herausgefunden, dass wir solche kartografischen Probleme am besten gelöst hatten. Und auch er wollte, dass wir dieselben Probleme für ihn lösen.

An dieser Stelle dachte ich um.

Das Lösen von Problemen ist nämlich eine Kostenstelle. Und um diese Lösungen in ein Produkt zu verwandeln, haben wir das Maptoolkit erfunden. Das ist ein Paket von Schnittstellen, mit dem Betreiber von Webseiten alle möglichen kartografischen Lösungen elegant und sauber in ihre Webseiten und Apps einbinden können.

Also salopp gesagt etwas wie Google-Maps, nur speziell für den Tourismus.

Ab diesem Moment hatten wir mit dem Maptoolkit also ein Produkt, für das uns (unterdessen ziemlich viele) Firmen einen monatlichen Betrag bezahlen.

Aus meiner Kostenstelle ist mal wieder ein Produkt geworden.

So kam es, dass meine Firma Toursprung am Anfang nur Bikemap betrieben hatte. Später dann kam dann dieses Maptoolkit als zweites Produkt dazu.

Seit Januar 2015 ist Bikemap eine eigene Firma, die sich nur noch auf darauf konzentriert die gleichnamige Webseite besser und größer zu machen.

Und im Oktober 2015 habe ich konsequenter Weise die Firma Toursprung und ihr Maptoolkit verkauft.

Ich habe also mit Toursprung ab jetzt nichts mehr zu tun. Meine volle Aufmerksamkeit gilt nun wieder Bikemap, und ich hoffe auch dazu bald tolle Neuigkeiten verkünden zu können.

Du bist neugierig? Dann wirf einen Blick auf Bikemap Next.

 

  • Immer wieder inspirierend, an Deinen Erfahrungen teilzuhaben. Danke, Peter!